Spiritualität
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Sieben Thesen
Einsichten
> Geniesse das
Leben, ja, aber vergiss nicht das Pièce Résistance, das Sterben. Wer
das Sterben nicht gekostet hat, weiss nicht, wie das Leben schmeckt.
> Der Schrecken
des Todes ist sekundär zum Wunder der Existenz.
> Ich will keine Urne, keinen
Grabstein, kein Denkmal. Lasst mich bei euch dasein. Ihr seid meine
Urne, mein Denkmal.
Schaut man sich auf dem Büchermarkt um, stösst man unvermeidlich auf spirituelle
Literatur und spirituelle Ratgeber. Diese Sparte
ist offenbar so gefragt wie Literatur und Ratgeber zur Gesundheit
gefragt sind. Aber: Was stellt man sich eigentlich vor, wenn von
Spiritualität die Rede ist? Mystik, Esoterik, Metaphysik?
Einsichten
> Geniesse das
Leben, ja, aber vergiss nicht das Pièce Résistance, das Sterben. Wer
das Sterben nicht gekostet hat, weiss nicht, wie das Leben schmeckt.
> Der Schrecken
des Todes ist sekundär zum Wunder der Existenz.
> Ich will keine Urne, keinen
Grabstein, kein Denkmal. Lasst mich bei euch dasein. Ihr seid meine
Urne, mein Denkmal.
These 1:
Spiritualität wurzelt in der typisch menschlichen Fähigkeit, Transzendenz zu erfahren. Sie lässt sich als ein Grundgefühl beschreiben, das uns ahnen lässt, dass wir als endliche, bedingte Wesen unsere Existenz einem Unbedingten zuschreiben müssen.
Dazu: Zur Transformation des religiösen Bewusstseins
These 2:
Das Unbedingte ist transzendent. Es lässt sich nicht objektivieren, da wir als bedingte Wesen unmöglich einen Beobachterstandpunkt gegenüber dem Unbedingten einnehmen können. Die Beziehung von Bedingt zu Unbedingt ist existenziell. Man kann sie allenfalls symbolisch darstellen, etwa mit der Figur einer Doppelhelix.
Dazu "Drei Transzendenzerfahrungen"
These 3:
Spiritualität bedeutet im Kern die Aktivierung der existenziellen Beziehung des bedingten Menschen zu einem Unbedingten. Spiritualität ist darum human und humanistisch. Humanistisch bedeutet angepasst an die jeweilige Condition humaine. Sie ist grundsätzlich inhaltsoffen und religionsoffen.
These 4:
Die Aktivierung der spirituellen Fähigkeiten folgt den Bedingungen der menschlichen Weltwahrnehmung und Weltinterpretation. Sie ist dynamisch. Sie unterliegt den der Transzendenzerfahrung vorgelagerten Bedingungen der psychischen Selbsterfahrung, der Naturerfahrung, der Erfahrung von Ort und Zeit, der Geschichte, der Tradition, dem Wissen. Das Verhältnis des Selbst zur Wirklichkeit lässt sich grafisch als "spirituelle Zwiebel" veranschaulichen.
These 5:
Eine ungefilterte Sicht auf die Transzendenz, beziehungsweise auf das Göttliche, ist nicht möglich. Die emotionalen und kognitiven Bedingungen der Weltwahrnehmung wirken als Filter, welche die Transzendenzerfahrungen individuell prägen, entwickeln und verändern.
These 6:
Da die Spiritualität existenziell ist, lassen sich spirituelle Erfahrungen, bzw. Transzendenzerfahrungen, zwar austauschen, beispielsweise in sprachlicher, poetischer, künstlerischer Kommunikation. Sie können sich gegenseitig befruchten durch Austausch von Wissen und Einsicht oder auch durch Lektüre von Weisheitsschriften. Sie können gemeinschaftlich geübt werden, etwa in religiösen Riten, auf Naturexkursionen, in Meditationen. Es kann aber keine universal "wahre" Spiritualität geben, weil die Beziehung der einzelnen menschlichen Existenz zu seinem "Unbedingten" von Natur aus einmalig ist.
These 7:
Innerhalb der Performance seines einmaligen Lebens, verwirklicht der Mensch in der Spiritualität seine Fähigkeit, in einer guten existenziellen Beziehung zum Unbedingten zu leben. Dass dies gelinge, ist aller Menschen tiefes Bedürfnis. Die Transzendenzerfahrung bedeutet gewissermassen den Sieg des Lebens über den Tod.
